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Was Käufer wirklich prüfen: Due Diligence

23. Mai 2026 · Von Reinhard Voelkel
Geschwungene Betontreppe mit weissem Geländer, die zu einem runden Oberlicht hinaufführt

Due Diligence aus Verkäufersicht heisst: Sie prüfen Ihr eigenes Unternehmen so, wie eine Käuferin oder ein Käufer es prüfen wird, Zahlen, Recht, Betrieb und Steuern, bevor die Verhandlungen beginnen. Wer diese Prüfung früh selbst vornimmt, findet die Schwachstellen zuerst und entscheidet, wie er damit umgeht. Wer wartet, überlässt die Funde der Gegenseite und bezahlt jeden einzelnen am Verhandlungstisch.

Due Diligence klingt nach einem technischen Pflichtschritt, nach Checklisten und Ordnern. In Wahrheit ist sie etwas viel Persönlicheres: eine gründliche Überprüfung jeder Annahme, die Sie je über Ihr Unternehmen getroffen haben, durch jemanden, der Ihnen nichts glaubt, bevor er es bewiesen sieht. Wer das versteht, bereitet sich anders vor. Und wer sich vorbereitet, behält die Kontrolle über einen Prozess, der sonst schnell zum Verhör wird.

Was Due Diligence wirklich bedeutet

Due Diligence ist keine Formalität am Ende der Verhandlung. Sie ist der Moment der Wahrheit. Die Käuferin oder der Käufer prüft, ob das Unternehmen tatsächlich das ist, was es zu sein vorgibt, und sucht, nicht zwingend böswillig, nach Gründen, den Preis zu senken. Das gehört zu ihrer Aufgabe. Die Prüfung beginnt üblicherweise, sobald eine Absichtserklärung unterzeichnet ist und die Exklusivitätsfrist läuft: Von da an arbeitet die Zeit für die Käuferseite. Jede offene Frage, jede Unstimmigkeit, jeder Widerspruch zwischen Ihrer Erzählung und den Belegen wird zu einem Argument am Verhandlungstisch.

Inhaberinnen und Inhaber, die unvorbereitet in diese Phase gehen, verlieren dreierlei zugleich: Verhandlungsmacht, weil jede Überraschung als Risiko bepreist wird; Zeit, weil ungeklärte Punkte den Prozess in die Länge ziehen; und Vertrauen, das sich nach dem ersten unangenehmen Fund nur schwer zurückgewinnen lässt. Eine Übergabe scheitert selten an einem grossen Skandal. Sie zerbröselt an einer Ansammlung kleiner Dinge, die niemand vorher geordnet hat.

Die vier grossen Prüfbereiche

Eine seriöse Prüfung betrachtet Ihr Unternehmen aus vier Blickwinkeln, die sich ergänzen. Wie tief sie geht, hängt vom gewählten Weg ab (die Wege vergleicht der Beitrag Verkauf, Familiennachfolge oder MBO); externe Käufer prüfen in der Regel am gründlichsten.

  • Financial Due Diligence. Hier geht es um die wirtschaftliche Wirklichkeit, nicht um geschönte Jahresabschlüsse. Geprüft werden die Umsatzentwicklung, die Qualität der Marge, das Working Capital, die Verschuldungsstruktur und das normalisierte EBIT. Käufer wollen verstehen, was das Unternehmen wirklich verdient, wenn man Einmaleffekte und gestaltete Stichtage herausrechnet.
  • Legal Due Diligence. Verträge, Lizenzen, Verpflichtungen, laufende Streitigkeiten und die Eigentümerstruktur kommen auf den Tisch. Ein einziger ungeklärter rechtlicher Punkt, eine unklare Beteiligung oder ein offener Prozess kann eine Transaktion um Monate verzögern.
  • Operational Due Diligence. Läuft das Geschäft ohne die Inhaberin oder den Inhaber? Sind die Prozesse dokumentiert? Wer sind die Schlüsselpersonen, und wie abhängig ist das Unternehmen von einzelnen Kunden oder Lieferanten? Hier zeigt sich, ob Sie eine Organisation verkaufen oder eine Stelle, die zufällig mit einem Unternehmen kommt. Die Abhängigkeit vom Inhaber zu reduzieren ist deshalb eine eigene Vorbereitungsarbeit.
  • Tax Due Diligence. Historische steuerliche Positionen, latente Risiken und die Folgen früherer Umstrukturierungen werden untersucht. Dieser Bereich wird oft unterschätzt, und gerade hier verbergen sich Risiken, die spät und teuer auftauchen.

Dies ist eine allgemeine Orientierung, kein steuerlicher oder rechtlicher Rat im Einzelfall. Für Ihre konkrete Lage ziehen Sie eine zugelassene Schweizer Steuer- oder Rechtsexpertin oder einen entsprechenden Experten bei.

Was Sie vorbereiten sollten

Das zentrale Werkzeug ist ein Datenraum, physisch oder digital, in dem die Käuferin oder der Käufer geordnet findet, was sie oder er ohnehin verlangen wird. Idealerweise enthält er:

  • die Finanzzahlen der letzten drei Jahre, sauber und nachvollziehbar;
  • alle wesentlichen Verträge, von Kunden und Lieferanten bis zu Finanzierungen;
  • die Organisationsstruktur und einen Überblick über das Personal;
  • die Situation bei Liegenschaften und Mietverhältnissen;
  • Angaben zu geistigem Eigentum und zur IT.

Ein gut geführter Datenraum sagt mehr über die Reife eines Unternehmens als jede Präsentation. Ordnung ist selbst ein Verkaufsargument.

Der Aufwand, diese Unterlagen vorher zusammenzustellen, wirkt mühsam. Doch jeder Punkt, den Sie nicht im letzten Moment unter Druck suchen müssen, ist ein Punkt, den die Gegenseite nicht gegen Sie verwenden kann. Das KMU-Portal des Bundes bietet einen nüchternen Überblick über die Schritte und Unterlagen einer Unternehmensübergabe.

Vorbereitung als Wettbewerbsvorteil

Der entscheidende Unterschied entsteht, bevor die Käuferin oder der Käufer überhaupt erscheint. Inhaberinnen und Inhaber, die ihre eigene Due Diligence aus der Perspektive der Gegenseite durchgespielt haben, kennen ihre offenen Punkte bereits. Sie wissen, wo die schwache Marge herkommt, welcher Vertrag noch nicht unterschrieben ist und welche Beziehung allein an ihrer Person hängt. Sie haben die Antworten parat, statt von ihnen überrascht zu werden.

Diese Vorbereitung kehrt das Kräfteverhältnis um. Wer seinen eigenen Engpass benennen kann, bevor ihn jemand findet, führt den Prozess, statt ihm ausgeliefert zu sein. Die Prüfung wird dann nicht zum Tribunal, sondern zur Bestätigung dessen, was Sie ohnehin behaupten. Und genau dieses ruhige Selbstvertrauen ist es, das einen guten von einem mässigen Verkaufspreis trennt.

Am Ende prüft jede Due Diligence dieselben Grundfragen, die über die Übertragbarkeit eines Unternehmens entscheiden: Zahlen, Recht, Betrieb und Steuern. Wenn Sie sehen möchten, wo Sie über diese Bereiche hinweg heute stehen, ordnet die strukturierte Nachfolgediagnose von TransActum360 Ihr Unternehmen in einer Sitzung über zehn Dimensionen der Nachfolgereife ein und liefert einen priorisierten Plan für die nächsten 90 Tage. Vereinbaren können Sie diese Standortbestimmung auf unserer Buchungsseite.